Mitteldeutsche-Meisterschaft U15 in Schönebeck

Niklas Tausch verteidigt Titel

Zum Höhepunkt für die Altersklasse U15, der Mitteldeutschen Meisterschaft, wollten fünf Schönebecker vor heimischer Kulisse zeigen, dass sie zu den Besten der Besten gehören.



Den Anfang machten die Zwillinge Lotte und Luise Averkorn bis 33 kg. Lotte setzte im Auftaktkampf ihren Griff durch und brachte ihre Gegnerin zum Mattenrand an dem sie ihre Techniken durchbringen konnte. Nach einem Ippon-Seoi-Nage (Schulterwurf), für den sie einen Yuko (mittlere Wertung) erhielt, konnte sie im Boden einen Armhebel ansetzen und den Kampf gewinnen. Im zweiten Kampf brachte ihr ein Uchi-mata (innerer Schenkelwurf), eine eher untypischen Technik für ihre Größe, einen Waza-ari-Vorteil (halber Punkt). Im Verlauf des Kampfes konnte Lotte ihre Stärke am Boden ausspielen und mit einer Festhalte gewinnen.

Luise konnte im ersten Kampf durch einen Gake-Konter (Fußfeger) und schnellen Übergang zum Boden mit einer Festhalte den Sieg sichern. Die nächste Gegnerin setzte Luise mit einer Sankaku Technik (Dreiecks-Festhalte) ausser Gefecht.
Im letzten Kampf in der Gewichtsklasse standen sich dann Lotte und Luise gegenüber. Nach endlosen neun Minuten spannender Kampfzeit und einem Duell auf Augenhöhe musste Lotte eine kleine Bestrafung hinnehmen und die Goldmedaille an Luise abgeben. Eigentlich stand nach dem Dreifachen der normalen Kampfzeit fest: Den Titel hätten beide verdient. Im Judo muss leider einer verlieren, aber für den Verein sind beide Titelträger.

Selena Pfannenschmidt kämpfte bis 40 kg mit kontrolliertem Griff und brachte ihre Gegnerin mit einem Ko-uchi-maki-komi (kleines Einrollen von innen) zu Fall. Mit einer schnellen Reaktion arbeitete sie im Boden weiter und gewann ihren ersten Kampf souverän mit einer Festhalte. Im Halbfinale konnte sie nach nur wenigen Sekunden mit der gleichen Technik eine Waza-ari Führung erzielen. Und weil es so gut klappte, kam die gleiche Aktion noch einmal für den Sieg zum Einsatz. Das Tagesziel war mehr als erreicht. Als eine der Jüngsten (eigentlich erst U13) stand sie im Finale der Mitteldeutschen Einzelmeisterschaft. Nun galt es gegen die amtierende Mitteldeutsche Meisterin anzutreten. Selena konnte mit ihrer guten Verteidigung durch eine Shido-Wertung (Bestrafung) in Führung gehen. Leider erhielt sie kurz vor Schluss ebenfalls eine Bestrafung und somit ging der Kampf in den Golden Score. Auch hier wurde Selena nicht nachlässig, konterte dann einen Angriff und bekam dafür eine Yuko-Wertung. Leider wurde ihr diese nach einer Besprechung der Kampfrichter wieder aberkannt, da es keine eindeutige Situation war. Nun ging es weiter und nach einem etwas missglückten Angriff von Selena geriet Sie in eine Festhalte aus der sie sich leider zu spät befreite. Der Sieg ging somit nur denkbar knapp an die Sportschülerin aus Leipzig. Aber insgesamt eine mehr als beachtenswerte Leistung von Selena.

Julien Freiheit hatte durch eine Verletzung am Ellenbogen mit einem Handicap zu kämpfen und musste direkt im ersten Kampf dem späteren Vizemeister stellen. Getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ entwickelte sich ein schönes Duell auf Augenhöhe. Doch dann konnte sein Gegner Julien in einem unkonzentrierten Moment mit einer Fußtechnik besiegen.
In der Hoffnungsrunde ging Julien dann wieder offensiv in das Duell. Direkt am Anfang musste er schon einen Waza-ari-Rückstand aufholen. Dies gelang dem Schönebecker Kämpfer auch, doch dann wurde er vom seinem Gegner durch einen Konter überrascht und musste den Kampf abgeben. Sichtlich geknickt musste Julien danach erst einmal den Kopf frei bekommen.

Zum Schluss war der Titelverteidiger Niklas Tausch an der Reihe. Die bis-40-kg-Klasse war an diesem Tag äußerst stark besetzt. Den ersten, physisch sehr starken Gegner konnte er mit mehrfachen Tomoe-Nage-Angriffen (Wirbelwurf) immer wieder zu Fall bringen und einige Yuko erzielen. Sicher brachte Niklas seine Führung über die Zeit und zog ins Halbfinale ein. Dort trat den Landesmeister aus Sachsen. Aber auch hier behielt unser Titelverteidiger einen kühlen Kopf und zeigte seine ganze Qualität. Durch starke Übergänge zum Boden machte Niklas seinen Gegner langsam weich. Nach der Hälfte der Kampfzeit gelang es Niklas letztendlich, sich einen Hebel zu erarbeiten und somit den Finaleinzug zu sichern.
Sein Finalgegner war fast einen ganzen Kopf größer als Niklas und sehr gut vom Trainer eingestellt. Er vermied den Mattenrand und den Bodenkampf. Außerdem lief er Niklas nicht hinterher, um nicht auf einen seiner gefährlichen Würfe zu fallen. So hielt er permanent Zug und bewegte sich rückwärts. Doch auch hier hatte der Schönebecker eine Lösung parat. Mit einem De-ashi-barai (Fußfeger) erhielt er einen Yuko, den er über die Kampfzeit halten und so seinen Titel erfolgreich verteidigen konnte.

Insgesamt muss man sagen, dass vier von fünf gestarteten Schönebecker an diesem Tag im Finale standen und somit auch den erfolgreichsten Verein in Sachsen-Anhalt repräsentierten.
Diese großartige Leistung der Trainer des gesamten Vereins ist sicher eine sehr gute Werbung für die Sportart Judo. Und zu einem Schnuppertraining sind interessierte Kinder jederzeit herzlich eingeladen.