Traditionelles Nikolausturnier des SC Berlin

Starke Leistungen trotz schlechter Wertungen

Schon zur Tradition gehört das Nikolausturnier in Berlin was gleichzeitig als Sichtungsturnier für Berlin gilt und somit hochklassige Kämpfe verspricht.
Mit über 300 Kämpfern in nur zwei Altersklassen wurde es auch dieses Jahr den Ansprüchen der Trainern gerecht. 
Ladies first mit Lotte und Luise Averkorn sowie Selena Pfannenschmidt. 
Vorweg möchte ich sagen, dass die drei an diesem Tag eine etwas andere Art der Erfahrung machen durften.
Den Anfang machte Luise -28 kg. Sie sah sich in einem Pool mit drei Gegnerinnen wieder, in dem Jeder-gegen-Jeden gekämpft wird. Ihren ersten Kampf beendete sie kurz und schmerzlos mit einem Ippon-Seoi-Nage gegen Saskia Walter vom SV Berlin 2000. Dann aber der Kampf gegen Amina Ibahiev vom Judo-Team Berlin, die Lokalmatadorin. Ein spannender Kampf in dem Luise durch bessere Aktionen klar die Nase vorn hatte. Doch auch Amina blieb gefährlich. Nach fast Minuten und einigen umstrittenen Situationen, in denen die Schönebeckerin schon längst mal eine Wertung verdient hätte, passierte was passieren musste. Die Kampfrichter gaben Luise einen Shido, um den Kampf vor den Gold score zu beenden und Amina vor einer Niederlage zu schützen. Sichtlich enttäuscht verließ Luise die Matte. Im letzten Kampf gegen Johanna Rejall von den Tempelhofer Judo Freunden fackelte die Schönebeckerin nicht lang und gewann mit einer Festhalte.
Lotte, -30kg, traf dieses Schicksal direkt im ersten Kampf gegen Kiara Marie Eichstädt vom JC Samura Oranienburg. Nur hier war es noch eindeutiger, denn Lotte dominierte den Kampf von Anfang an, konnte für einen Ippon-Seoi-Nage einen Yuko und für einen Konter einen Waza-ari erkämpfen. Kurz vor Schluss griff dann auch mal Kiara an und Lotte fiel etwas langsam hinterher und auf die Seite was den Kampfrichter direkt dazu veranlasste einen Ippon zu geben und Lotte den Kampf dadurch ungerechter Weise verlor. Ihre anderen beiden Kämpfe gegen Kathrin Krause vom PSV Olympia Berlin und Helin Graßnick vom BC Randori Berlin konnte sie mit schönen Techniken, wie einem Ko-Uchi-Maki-Komi, schnell gewinnen.
Selena Pfannenschmidt durfte solch Aktionen gleich zwei mal durchleben. Direkt im ersten Kampf gegen Nora Ruppelt vom PSV Berlin wehrte Selena einen Angriff gekonnt ab und rollte sich so ab, dass der Rücken die Matte nicht berührte, nichts desto trotz bekam Nora einen Ippon. Schwamm drüber und weiter, die Chance auf das Finale bestand immer noch. Im zweiten Kampf musste Selena gegen die stärkere Lea Gaza vom PSV Olympia Berlin gewinnen, um in das Halbfinale einziehen zu dürfen. Hier sah man wieder die alte Selena, die wusste, wie man sich durch zu beißen hat. Stark im Griff und mit einer taktischen Linie bestimmte sie den Kampf, indem sie einen Yuko für eine Ippon-Seoi-Nage/Ko-Uchi-Maki-Komi Kombination erhielt. Diesen konnte sie geschickt über die gesamte Kampfzeit halten. Im Halbfinale dann wieder eine Lokamathadorin: Lea Stahlbock vom Shidosha Berlin, die ihres Zeichens alle Turniere dieses Jahr gewann, auch den Osterpokal in Kufstein. Aber Selena ließ sich davon nicht beeindrucken und stellte sich dem Kampf, in dem sie die klaren Akzente setzte und brachte die Berlinerin zum Verzweifeln. Wieder hart im Griff und immer ein bisschen schneller konnte Selena ihre Angriffe setzen. Nichts desto trotz bliebt die Wertung auf beiden Seiten aus in diesem sehr harten Kampf. Schon mehrmals in dem Kampf hätte Lea eine Bestrafung wegen ihrer defensiven Kampfweise verdient, doch leider bliebt es aus. Im GoldenScore nutzten dann die Kampfrichter die erste Aktion von Lea aus, Selena wehrte den Angriff ab und fiel lediglich auf ihr Gesäß. Für diesen Wurf bekam die Berlin jedoch ein Wertung, was ihr den Finaleinzug sicherte. Traurig daran ist, dass Selena mehrere solcher Aktionen schon in der regulären Kampfzeit erzielte. Die Enttäuschung war groß und viele Worte konnten da nicht helfen. Zusammen mit Trainer Kevin Ladebeck schaute sich Selena das Finale an. Hier verstand Sie, was passiert war. Auch im Finale erhielt Lea einen Ippon für einen Wurf, wo ihre Gegnerin lediglich auf der Seite landete. Das Gute daran ist, es sind drei intelligente Mädels, die eine solche Situationen schnell verarbeiten können. Doch es ist nicht schön, wenn in dem Alter schon solch ein Erfolgsdruck ausgeübt wird.
Nun waren die Jungs an der Reihe. Diese liessen jedoch nichts anbrennen. Jean Luc Moritz und Jason Tausch starteten wie immer zusammen in einer Gewichtsklasse, diesmal -31kg. Unglaublich ist es, dass es schon drei Jahre her ist, das Niklas Tausch hier eine Silbermedaille erkämpfen konnte.
Beide gewannen ihre Vorrundenkämpfe mit starken Leistungen, so dass zur Freude des Trainers beide im Finale einer qualitativ sehr hochwertigen Gewichtsklasse aufeinander trafen. Erstmalig konnte Jason den Kampf mit einem O-goshi für sich entscheiden. Eine starke Leistung der beiden Schönebecker, die ihre Gewichtsklasse dominierten.
Zum Schluss noch unsere "Gold Jungs“. Niklas Tausch setzte sich in seinen beiden ersten Kämpfen über die 3 Minuten Kampfzeit klar durch. Im Halbfinale konterte er einen schwachen Angriff seinen Gegners mit einem Handwurf und die anschließende Festhalte brachten ihn in das Finale. Hier traf er auf einen Sportschulanwärter, genau wie Niklas ging es darum, dem Landestrainer in Berlin zu beweisen, wer einen der nur sechs Plätze verdient hat. Hier stellte Niklas dann seine Klasse wieder unter Beweis, nach nur 30 Sekunden ging die taktische Falle auf. Mit einem Tomoe-Nage am Mattenrand beendete Niklas den Kampf mit einem Ippon.
Laurent Herms -43kg fühlte sich in seiner neuen Gewichtsklasse so wohl, dass er alle seine vier Kämpfe mit einer anderen Technik auf Ippon gewann. Auch er war ein Bewerber für die Sportschule. Im Finale beendete er die Kampf mit einem linken Ushi-Mata.
Julien Freiheit -50kg war der letzte in der Reihe der sich beweisen wollte. Auch er schickte seine ersten beiden Gegner mit Ippon von der Matte, nur sein Finalgegner aus Hoppegarten machte ihm es etwas schwerer, doch auch hier setzte sich Julien am Ende der Kampfzeit durch.
Das wirklich erstaunliche ist, dass alle drei Jungs zur 7. Klasse nach Berlin an die Elite-Schule des Sports, dem SC Berlin, wechseln dürfen. Hier werden jedes Jahr nur sechs Jungs aufgenommen und drei davon kommen aus Sachsen-Anhalt vom 1. Schönebecker Judoclub. Wer kann das schon von sich behaupten...