Kufstein 2014: Zwei Pokale – mit Überraschung

Gute Leistunge von allen Teilnehmern und 3. Platz in der Mannschaftswertung

Nach vierwöchiger Wettkampfvorbereitung ging es am Ostersonntag nach Kufstein in Österreich. Die Schönebecker Judokas starteten als Team Sachsen-Anhalt mit Judokas vom SV Halle und dem TSV Tangermünde. Kein geringeres Ziel als zwei Pokale mit nach Hause zu nehmen, setzte sich Trainer Kevin Ladebeck.
Die Anreise und das gemeinsame abendliche Training nach dem Wiegen mit dem SV Halle verliefen reibungslos. Nach einem gemütlichen Abendessen ging es für die Kämpfer dann früh ins Bett.
Am Wettkampftag, dem Ostermontag, füllten sagenhafte 604 Sportler aus 9 Nationen die Halle, ein neuer Rekord des schon seit 17 Jahren bestehenden Turniers.
Als Erster ging Niklas Tausch (U12 -34 kg) an den Start. Sein erster Gegner war Tobias Wehner vom Judo-Team Hessen. Nach kurzem Abtasten und einem defensiven Kampfstil von Tobias machte Niklas im ersten Kampf mit einer sehenswerten Tomoe-nage alles klar. Im zweiten Kampf gegen Lucas Kuttalek vom JC Achental hatte Niklas dann in den Anfangssekunden Schwierigkeiten den Stand gegen den Orange-Grün-Gurt nicht zu verlieren. Doch in einer Bodensituation erarbeitet sich Niklas mit einer starken kämpferischen Leistung eine Festhalte, aus der es für Lucas kein Entkommen gab. Niklas zog somit ins Halbfinale ein. Hier musste er sich leider dem späteren Sieger Botond Boka von Domaszeki Judo wegen einer großen Unsicherheit geschlagen geben. Im Kampf um Platz 3 gegen David Trippel vom Judo-Team Hessen verlor Niklas leider komplett seine Linie und musste diesem Kampf auf Grund von Bestrafungen abgeben. Am Ende dann Platz 5 für den noch jungen Kämpfer.
Julien Freiheit (U12 -42 kg) startete gut gegen seinen ersten Gegner Jan Becker vom JC Geisenheim, konnte einen Yuko-Rückstand in eine Waza-ari-Führung umwandeln, musste den Kampf aber dann doch abgeben. Auch in der Hoffnungsrunde hatte Julien das Nachsehen. Hier gilt es weiter abzuwarten, Julien zeigt gute Ansätze, muss aber erst einmal in der neuen Gewichtsklasse ankommen.
Bei den Mädchen hatte sich Selena Pfannenschmidt als noch jüngerer Jahrgang die Mitreise auf Grund durchgängig sehr guter Leistungen bei Wettkämpfen verdient. Gegen ihre erste Gegnerin, Christina Lebesanft vom TV Kaufbreuren ging Selena auch anfangs in Führung, musste den Kampf aber wegen gesundheitlicher Probleme abgeben, was wirklich schade war, denn hier wäre auf Grund der Endergebnisse ein vorderer Platz machbar gewesen. Aber niemand hatte etwas zu kritisieren, den Selena ist ein echtes Talent, was die Sportart Judo anbelangt.
Nun war nur noch Moniek Reinicke in der U12 im Rennen und das Trainerteam hatte mit einem Pokal in diesem Bereich gerechnet. Es lastete somit etwas Druck auf Moniek und wie so oft galt es eine Gegnerin zu bezwingen, die nicht ohne war. Alexandra Oberreiter vom JC Hallein Tennengau hatte bereits den grünen Gürtel und war hochmotiviert unsere leicht schüchtern wirkende, doch eigentlich nur ruhige Moniek zu besiegen. Noch hinzu kam, dass man bei nur einem Gegner Best-of-3 auskämpfen musste. Das bedeutet, zweimal siegen gegen den selben Gegner. Etwas vollkommen Neues für Moniek. Sie startete mit starken Angriffen und stellte somit klar, dass sie nicht zu unterschätzen sei. Doch auch Alexandra hatte einen unangenehmen Kampfstil, mit dem Moniek allerhand zu tun hatte. Zwei Minuten lang galt es dem Kampfrichter klar zu machen, wer die Bessere war, da es ein Kampf auf Augenhöhe war und dies somit zu einem Hantai führte. Nach einigen Herzstillstand-Aktionen für die Trainer konnte Moniek den ersten Kampf mit kleinen Vorteilen für sich entscheiden. Deutlich ruhiger mit der Führung im Rücken ging Moniek in den zweiten Kampf, denn Alexandra musste einem Rückstand hinterher laufen und wurde doch etwas zu offensiv, was der Konterspezialistin Moniek zu Gute kam. Einen halbherzigen Angriff von ihrer Gegnerin konnte sie für eine Bodensituation ausnutzen und mit einer Festhalte alles klar machen. Der Sieg war perfekt und eine riesige Freude in Reihen der Schönebecker über den gewonnenen Pokal.
Auch Leonardo Graßhoff durfte mal eine Altersklasse höher (U14) schnuppern, musste sich aber gleich im ersten Kampf dem späteren Sieger geschlagen geben. In der Hoffnungsrunde konnte er aber noch einen Kampf gegen einen Grüngurt für sich entscheiden, bevor es dann Endstation hieß. Für Leo war jeder Kampf wie ein Finale bei diesem Wettkampf. Somit hatte er eines gewonnen und verlor sein Lächeln nicht an diesem Tag.
Ein alter Bekannter hatte sich nochmals für den Osterpokal entschieden: Egor Lapygin, der schon selber als Co-Trainer beim 1. Schönebecker Judoclub eingesetzt wurde, sollte sich als eine Überraschung entpuppen. Los ging es in der U16 -73 kg. Egor sein ersten Gegner war Vinvent Schiffler von JC Uchtelfangen, der seinen ersten Kampf schon spektakulär gewann und sehr motiviert dem Schönebecker gegenübertrat. Etwas kleiner aber deutlich breiter war es eigentlich ein guter Kontrahent für Egor, der hier vielleicht seine Größe ausspielen konnte. Vinvent ging etwas zu halbherzig in diesem Kampf und unterschätzte wohl den noch jung aussehenden Schönebecker. Vinvent versuchte einen Gake-Angriff, den Egor aber eiskalt mit einem Uchi-mata konterte, den Österreicher voll auf den Rücken auf Ippon warf und somit schon im Halbfinale stand. Hier galt es einen kleinen „Showmaster“ zu bezwingen, der seine Gegner gerne etwas durch sein überhebliches Verhalten vor und beim Kampf einschüchterte. Doch Egor lies sich von Wotjek Kanik vom UJZ Mühlviertel nicht beeindrucken und konzentrierte sich voll auf die bevorstehende Aufgabe. Vom Trainer war die Linie klar: "Hart und nicht herzlich, Showmaster vernaschen wir.“ Und so war der Kampf schneller vorbei als er anfing. Egor setzte einen extrem harten Griff durch, der Wotjek in die Defensive zwang. Ein sehr schnell und stark angesetzter Uchi-mata beendete die ganze Show und Egor stand zum ersten Mal nach 5 Jahren Kufstein im Finale. Völlig überwältig davon gratulierten ihm die Trainer jetzt schon, doch Egor blieb cool. Jetzt wollte er alles rausholen, was geht. Simon Gasching von der Union Reika Osttirol galt es zu schlagen, um das Glück perfekt zu machen. Aufpassen musste Egor im Boden, denn Simon gewann alle seine Vorkämpfe durch Hebel, Würgen oder Festhalte. Doch der Tiroler schaute sich auch Egors Standqualitäten genau an und verhielt sich leicht defensiv. Egor war wieder voll konzentriert, kam jedoch nicht ganz mit seinen Techniken durch, fiel auch noch auf einen Konter und lief einem Rückstand hinter. Nach zwei Minuten Kampfzeit brach die letzte an, doch diese sollte die des Schönebeckers werden. Durch Absprache mit dem Trainer gelang es Egor mit einer Uchi-mata/Ko-ashi-barai-Kombination auszugleichen. 30 Sekunden vor Schluss konnte Egor die schlechte Laufschule von Simon noch für einen Yuko ausnutzen, die Führung war da, der Sieg zum greifen nah. Aber die Herzen der Trainer hörten kurz auf zu schlagen, als Egor trotz Führung in den letzen 5 Sekunden noch einen Angriff ansetzte. Doch der Tiroler wurde tatsächlich nochmals zu Fall brachte. Die Freude über diesen Sieg war unbeschreiblich und für alle Mitgereisten spürbar. Ein Dank an Egor für diese herausragende Leistung.
Und nun wartete noch Martin Kuhn, der nach seinem verpatzten Finale vor zwei Jahren heißer als alle anderen auf diesen Pokal war. In der U18 -73 kg war er einer der Favoriten und setzte die Rolle auch gleich gegen Simon Gasching (UNION Raika Osttirol) und Sebastian Braun (Judo-Team Hessen) um, durch schnelle Ura-nage, einer Kontertechnik und einer anschließenden Festhalte machte er den Einzug ins Halbfinal perfekt. Hier musste er gegen Simon Aignesberger ran. Von Anfang an ein sehr ausgeglichener Kampf aber mit klaren Vorteilen für Martin. Auch bis Kampfende kam es zu keiner Wertung aber zu einer absolut nicht nachvollziehbaren Hantai-Entscheidung, die zu Gunsten des Kirchheimer ausfiel. Geschockt von diesem Ergebnis mussten sich Martin und auch das Trainerteam erst einmal wieder sammeln, denn es galt, trotzdem noch einen Podestplatz zu belegen. Mit den Worten „Kämpfe um den dritten als wäre es der erste Platz“ konnte Martin noch einmal motiviert werden und machte gegen Simon Kreft vom ASKÖ Henndorf klar, dass der vorherige Kampf eine Fehlentscheidung war. Nach einigen schönen Seoi-nage-Angriffen und kleinen Wertungen beendet Martin den Kampf vorzeitig mit Ippon und belegte den dritten Platz, wenn auch etwas enttäuscht. Direkt im Anschluss beschloss Trainer Joachim Ladebeck dem Schönebecker im Herbst eine zweite und letzte Chance zu geben, denn 2015 in Martin zu alt für Kufstein.
Am Ende sprang dann für das Team Sachsen-Anhalt noch ein starker dritter Platz in der Mannschaftswertung heraus, ein Dank an SV Halle und dem TSV Tangermünde.