Judo-Landesmeister U13 -
der Lohn für ein halbes Jahr intensivem Training

Am 14. April fanden die Landesmeisterschaften Sachsen-Anhalt der U13 in Merseburg statt. Für Leonardo Graßhoff vom 1. Schönebecker Judoclub, der die Qualifizierung dafür als Bezirksmeister Nord erkämpft hatte, sind diese der absolute Höhepunkt des Sportjahres. Eine höhere Meisterschaft gibt es auf Grund der großen Mitgliederzahlen in dieser Altersklasse im Judo nicht.
Ein kleiner Schock war dann an der Waage: Leo hatte einige Gramm Übergewicht. Somit musste die Erwärmung etwas effektiver ausfallen. Einen Dank an Niklas Tausch, der Leo als Trainingspartner ordentlich ins Schwitzen brachte, so dass danach die Waage genau 34 kg anzeigte. Diese Gewichtsklasse war an diesem Tag eine der am stärksten besetzten.
Im ersten Kampf stand Tobias Menzel (Grün-Weiß Wittenberg) als Gegner auf der Matte. Leo ging konsequent zur Sache, brachte seinen Griff durch und setzte zu einem rechten Ushi-mata an, wofür er Waza-ari erhielt. Die anschließende Festhalte konnte er bis zum Sieg halten.

Bruno Kilian (SG Motor Halle) stand ihm im zweiten Kampf gegenüber. Der Hallenser war einen ganzen Kopf kleiner, was keinesfalls ein Vorteil für Leo war. In dieser Gewichtsklasse sind Hüft- und Schulterwürfe sehr beliebt, bei denen es vorteilhaft ist, ein wenig kleiner zu sein. Trainer Kevin Ladebeck gab Leo aber die richtige Linie vor. Nach nur kurzer Zeit warf der Schönebecker seinen Gegner mit einem linken Ushi-mata auf Ippon, und stand somit im Halbfinale.
Leo traf dort auf Jonte Förster vom FSV Magdeburg. Beide kennen sich leider zu gut, da sie des öfteren gemeinsame Trainingseinheiten absolvieren. So gestaltete sich der Kampf eher umspektakulär. Jonte wirkte etwas passiv, da er lediglich versuchte, Leo auf Distanz zu halten. Leo konnte trotz unermüdlicher Wurfansätze keine Wertung erzielen. Durch Kampfrichterentscheid mit 3:0 wurde Leos Aktivität verdient höher gewertet.

Im Finale wartete eine anspruchsvolle Aufgabe. Den dreifachen Landesmeister Franz Töpfer (PSV Köthen) galt es zu schlagen, um Sieger zu werden. Mit viel Selbstbewusstsein trat Franz auf die Matte, aber Leo ließ sich nicht einschüchtern, denn wer in einem Finale steht, will dieses auch gewinnen. Der Kampf begann, Leo setzte direkt seinen Griff durch und somit seinen Gegner größtenteils lahm, da dieser nur mit einseitigem Griff arbeiten konnte. Anders als Leo, der in dieser Hinsicht sehr vielfältig ist. Wie schon im Halbfinale war Leo wieder der aktivere und stärkere Kämpfer und brachte auch sehr gute Angriffe. Die große Stärke von Franz war es aber, sich in letzter Sekunde aus gefährlichen Lagen heraus zu winden. Doch dies alleine reicht nicht, um einen Kampf zu gewinnen. Am Ende kam es so wieder zum Kampfrichterentscheid. Nun banges Hoffen: Wird es reichen? Werden wenigstens zwei Fahnen beim „Hantei“ für unseren jungen Judoka hoch gehen? Es wurden sogar eindeutige drei.
Im Nachhinein sagte Leo zu seinem Trainern: „In dem Moment, als der Kampf durch die Fahnen entschieden wurde, haben meine Beine vor Aufregung gezittert. So aufgeregt war ich noch nie.“ Er konnte sein Glück kaum fassen. Nach dem Abfallen aller Anspannungen flossen ein paar Freudentränen.


Landesmeister Leonardo Graßhoff mit Niklas Tausch und Trainer Kevin Ladebeck

Die beachtlichen technischen Fortschritte im letzten halben Jahr lassen große Hoffnungen zu. Da Leo als Jahrgangsjüngster startete, kann er im nächsten Jahr den errungenen Titel in der U13 verteidigen.
Die Goldmedaille der Landesmeisterschaft war auch gleichzeitig ein schönes Geschenk, denn seine Mutter, die die Kämpfe am Mattenrand mit verfolgen konnte, hatte an diesem Tag Geburtstag.